Die zeiten haben sich gewandelt: Ob politische Statements auf Tonträgern zur Veränderung des Bewußtseins beitragen, gehört zu den Fragen, mit denen sich demoskopische Untersuchungen und Soziologen beschäftigen. In der Vergangenheit nahm der Schlagzeuger Max Roach zu den ökonomischen und politischen Verhältnissen in den USA und Südafrika kein Blatt vor den Mund. Ein nach wie vor brisantes musikalisches Zeugnis ist seine schon 1960 entstandene "We Insist! Freedom Now Suite", die in musikalischer Hinsicht nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Max Roachs Zusammen- arbeit mit dem Performer/Lyriker Oscar Brown Jr. führte zu solch starken Kompositionen wie "Driva Man", "All Africa" und "Freedom Day". Die anspruchsvollen Themen sollten Bestandteil eines umfangreichen Chorwekes werden. Bei diesem unorthodoxen Hardbop-Projekt wirkten sowohl Musiker der älteren Generation mit, als auch Newcomer wie Coleman Hawkins, dessen gewaltiger Tenorsax-Sound so viel Originalität besaß, daß er in jedes stilistische Umfeld paßte. Weitere expressive Solisten bei den Aufnahmen waren Booker Little (Trompete) und Julian Priester (Posaune). Für die Aufrechterhaltung eines ständigen Stroms exquisiter Polyrhytmen erhielt der Leader Unterstützung durch die beiden Afro-Cuban-Percussioniersten Olatunji und Ray Mantilla. Zu den bewegensten Momenten zählen Abbey Lincolns leidenschaftlicher Gesang in "Driva Man" - einer Abrechnung mit den dunklen Seiten der Sklaverei - und das beseelte Solo von Booker Little in "Tears For Johannesburg".