BND-Geheimoperation DDR-Witz. Es klingt wie ein Scherz, ist aber keiner. Jahrelang sammelten Agenten des Bundesnachrichtendienstes mit vollem Ernst politische Witze aus der DDR, werteten sie aus und reichten eine Auswahl davon sogar an den Bundeskanzler weiter. Alles streng geheim - versehen mit dem Stempel »Verschlußsache - Nur für den Dienstgebrauch«. Die Herausgeber berichten in ihrer ausführlichen Einleitung davon, wie politische Witze als Stimmungsbarometer für die Lage im real existierenden Sozialismus behandelt wurden. Sie informieren aber zugleich auch darüber, wie hart Witzerzähler in den frühen Jahren der DDR mit Gefängnis bestraft wurden. Je näher das Ende des Arbeiter- und Bauernstaates rückte, umso schonungsloser wurden Honecker und Genossen vom eigenen Volk ausgelacht. Den Spaß ließen sich die DDR-Bürger bis zum Schluss nicht nehmen und zeigten in der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989 ihren Witz bei Parolen und auf Plakaten. (Zwei Beispiele aus diesem Buch: Ein DDR-Bürger läuft an der Berliner Mauer entlang und wird von einem Volkspolizisten angerufen: »Halt! Können Sie sich ausweisen?« Antwort: »Kann man das jetzt schon selbst?« (1989) Beispiel 2: Ein DDR-Bürger kommt in die Hölle. Dort kann er sich einen Platz entweder in der Westhölle oder in der Osthölle aussuchen. »Ach«, sagt er, »nun habe ich die ganze Zeit im Osten gelebt, jetzt gehe ich mal in die Westhölle.« Als er hinkommt, lässt er sich erst einmal erzählen, was denn da so los sei. »Na ja«, sagt einer, »hier wirst du auf ein Nagelbrett geschnallt, geteert und gefedert und dann 300 Jahre lang verbrannt.« »Au«, sagt der Neuankömmling, »das ist natürlich Mist, jetzt frage ich einmal in der Osthölle nach, wie es da zugeht.« Dort erzählen ihm die Insassen genau das Gleiche. Als er ganz verzweifelt überlegt, wo er denn nun hinsoll, zupft ihn einer am Ärmel und sagt: »Komm nur hierher in die Osthölle, wir sind schon 500 Jahre hier, 100 Jahre gibt es bereits keine Nägel, vorher gab es 100 Jahre keinen Teer und zwischendurch ist immer wieder das Feuer ausgegangen.«